Nach drei Tagen Regen und Kälte stand ich in meinen nassen Schuhen am Col d’Anterne. Während des letzten Anstiegs begann der Wind, die Wolkendecke langsam zu zerpflücken. Oben angekommen offenbarte sich ein atemberaubender Blick auf das vor mir liegende Mont-Blanc-Massiv. Mit einem Schlag waren die Müdigkeit und der Frust – über den harten Weg, die Nässe und Kälte (Es war doch Sommer?!) – wie weggeblasen. Plötzlich fühlte ich mich überraschend leicht. Alleine für diesen Augenblick, das Gefühl der Freiheit und der eigenen Stärke – dafür nun auf dieser Anhöhe zu stehen und auf die unzähligen Bergspitzen und Gletscher zu blicken – war es jede einzelne durchnässte Socke wert gewesen.
After three days of rain and cold, I stood in my wet shoes at Col d’Anterne. During the final ascent, the wind began to slowly tear up the clouded sky. Once I reached the top, a breathtaking view of the Mont Blanc massif lay before me. In an instant, my fatigue and frustration – about the difficult path, the wetness and cold (Where did the summer go?) – were blown away. Suddenly, I felt surprisingly light. Only for that moment, that feeling of freedom and the sudden awareness my own physical strength – standing on this pass and looking out over the countless mountain peaks and glaciers – it had already been worth every single soggy sock.
Am nächsten Tag folgte ein langer Abstieg hinab nach Chamonix, immer mit Blick auf die unzähligen Gletscherzungen, die aus dem mächtigen Bergmassiv hervorragten. Dort angekommen tankte ich erst einmal Kaffee und Kohlenhydrate und machte dann den Campingplatz ausfindig. Ich baute wie gewohnt mein Zelt auf, doch plötzlich meldete sich mein Bauch rebellisch – entweder hatte ich etwas Falsches gegessen, irgendwo einen Virus aufgeschnappt oder die Anstrengung und Nässe der letzten Tage machten meinem Körper nun doch zu schaffen. Mit flauem Magen lag ich schließlich in meinem Schlafsack, an Abendessen war nicht zu denken. Merde. Noch dazu begann es kurze Zeit, nachdem ich meine Zelt-Routine beendet hatte, wieder zu regnen – keine zehn Pferde hätten mich an diesem Abend noch nach draußen bewegt.
The next day started with a long descent down to Chamonix, with a constant view over the many glacier tongues emerging from the majestic mountain range. Once arrived, I first refuelled with coffee and carbohydrates and then located the campsite. I set up my tent as usual, but suddenly my stomach rebelled – either I had eaten something wrong, picked up a virus somewhere, or the st(rain) of the last few days were now taking their toll on my body. Eventually, with a queasy belly I was lying in my sleeping bag, unable to even think about dinner. Merde! To make matters worse, shortly after I had finished my tent routine, it started raining again – no force on earth could have dragged me outside on that evening.
Gerädert kroch ich am Morgen aus dem Zelt. Glücklicherweise hatte sich bis dahin meine Packroutine schon so weit gefestigt, dass ich ihr halb automatisch, ohne weitreichende Gehirnaktivität folgen konnte. Mit meinen sieben Sachen beisammen machte ich mich auf den Weg zum Bäcker und bestellte mit Optimismus: einen Cappuccino, ein Pain au Chocolat, ein Chausson aux Pommes. Binnen weniger Minuten hatte ich die halbe Auslage verschlungen und erntete lokale Bewunderung. Denn obendrein bestellte ich noch ein gefülltes Baguette – ja, ein ganzes Baguette, es war riesig! – schaffte dann aber doch nur die Hälfte. Den Rest packte ich für später ein.
Tired, I crawled out of the tent in the morning. Fortunately, by then my packing routine had become so ingrained that I could follow it semi-automatically, without having to think too much. Once my gear was organised and packed, I made my way to the bakery and confidently ordered a cappuccino, a pain au chocolat and a chausson aux pommes and devoured half the display within minutes. Earning the local admiration, on top of it, I ordered a filled baguette – yes, a whole baguette, it was huge! – but only managed to eat half of it. I packed the other half for later.
Einigermaßen gestärkt – und die übriggebliebene Hälfte meines Baguettes hatte ich mit den Riemen meines Rucksacks à la parisienne seitlich befestigt – ging es endlich los. Ich ging es langsam an, um meinen Körper so weit wie möglich zu schonen. Tatsächlich schleppte ich mich eher durch die etwa 22,5 km. Und als wären das Höhenprofil und die bisherigen Herausforderungen nicht genug, meldete sich nun auch noch aller Frauen beste Freundin zu Wort: Mein Zyklus forderte seinen monatlichen Reset. Die Freude war groß, das Timing perfekt – merde.
Wer genau schaut, kann auf diesem (analogen) Foto zwei Steinböcke finden.
If you look closely, you can find two capricorns in this (analogue) photograph.
Somewhat fortified – and using the straps I secured the remaining half of my baguette à la parisienne to the side of my backpack – I finally set off. I took it slowly to spare my body as much as possible. Realistically speaking, I dragged myself through the approximately 22.5 kilometres. And as if the elevation profile and the existing challenges weren’t enough, every woman’s best friend decided to join the party: My cycle demanded its monthly reset. The joy was great, the timing perfect – merde.
Beim Refuge de Nant-Borrant hoffte ich verständlicherweise, einen Dortoir-Schlafplatz mit Halbpension zu ergattern – doch comme c’est la vie, sie waren ausgebucht. Merde alors! Ich konnte zwar mein Handy kurz aufladen und bestellte einen Linsensalat zum Mitnehmen. Doch das bedeutete knappe Energieressourcen in jeder Hinsicht: wenig Akku, kein warmes Abendessen, keine Toilette und – für mich in diesem Augenblick das Schlimmste – kein warmer Schlafplatz. Mein Zelt war noch nass von der Nacht davor und ich glaubte beim besten Willen nicht, dass es an diesem Abend noch trocknen würde.
At the Refuge de Nant-Borrant, for obvious reasons I hoped to secure a dormitory bed with half pension – but comme c’est la vie, they were fully booked. Merde alors! I was able to charge my phone briefly and ordered a lentil salad to take away. But this meant limited energy in every sense: low battery, no hot dinner, no toilet and – for me in that moment, worst of all – no warm place to sleep. My tent was still wet from the night before and I couldn’t, for the life of me, believe it would dry that evening.

